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DDR-Zeitzeuge berichtet am THG aus erster Hand

Zum Abschluss des zweiten Semesters im 11. Jahrgang, das sich im Geschichtsunterricht mit der DDR und der friedlichen Revolution von 1989 beschäftigt, war der DDR-Zeitzeuge Manfred Casper wieder zu Gast am Theodor-Heuss-Gymnasium, um den Schülern und Schülerinnen von seinem Leben in der DDR zu berichten. Der Vortrag wurde dankenswerterweise vom Eltern- und Freundeskreis des THG finanziert.



Eindrucksvoll schilderte Manfred Casper seine Kindheit und Jugend in der DDR sowie seine Erfahrungen mit dem SED-Regime. Reisen in die Bundesrepublik waren für ihn nur unter besonderen Umständen möglich: Gemeinsam mit seiner Mutter durfte er seine Großmutter besuchen, nachdem deren lebensbedrohliche Erkrankung ärztlich bescheinigt worden war. Die Aufenthalte im Westen eröffneten ihm eine völlig andere Welt, die er als vielfältiger und bunter erlebte. Besonders eine Demonstration gegen die Bundesregierung in Braunschweig beeindruckte ihn nachhaltig, da öffentliche Kritik am Staat in der DDR undenkbar war.

Weil Casper keiner Jugendorganisation der DDR angehörte und enge Kontakte in den Westen pflegte, blieb ihm sein Berufswunsch, Lehrmatrose zu werden, verwehrt. Mit 18 Jahren entschloss er sich schließlich während einer Gruppenreise in Bulgarien zur Flucht über die bulgarisch-jugoslawische Grenze. Der Fluchtversuch scheiterte jedoch: Er wurde verhaftet und zu einer Haftstrafe von einem Jahr und fünf Monaten verurteilt. Im Jahr 1970 kam er im Rahmen des Häftlingsfreikaufs in die Bundesrepublik. Doch selbst dort blieb er aufgrund des Verdachts der Fluchthilfe im Visier des Staatssicherheitsdienstes.

Anschaulich berichtete Casper von seinem Fluchtversuch, seiner Haft, seinem Leben unter ständiger Überwachung und den Auswirkungen der Diktatur auf seinen Alltag. Ergänzt wurde sein Vortrag durch historische Fotografien sowie Auszüge aus seiner umfangreichen Stasi-Akte, die den Schülerinnen und Schülern einen besonders authentischen Einblick ermöglichten.

Für den 11. Jahrgang war die Begegnung mit dem Zeitzeugen eine wertvolle Ergänzung des Unterrichts. Besonders eindrucksvoll war für viele, dass Manfred Casper während seines Fluchtversuchs und seiner Haft kaum älter war als die Schülerinnen und Schüler heute. Seine persönlichen Erinnerungen machten Geschichte auf eindrucksvolle Weise greifbar.

Im Anschluss an den Vortrag nutzten zahlreiche Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, dem Zeitzeugen persönliche Fragen zu stellen. Dabei entwickelte sich ein lebendiger Austausch über seine Erlebnisse, die Haftzeit und das Leben in der DDR. Das große Interesse zeigte, wie nachhaltig der Vortrag die Jugendlichen beeindruckt hatte.

Zum Abschluss stellte Manfred Casper seine autobiografische Erzählung „Vom Wachsen der Flügel“ vor, die 2019 erschienen ist. Ein Exemplar des Buches bereichert künftig auch den Bestand der Schulbibliothek des Theodor-Heuss-Gymnasiums und bietet Interessierten die Möglichkeit, seine bewegende Lebensgeschichte weiter zu vertiefen.