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Handys freiwillig im Theodor-Heuss-Gymnasium eingeschlossen

Der THG-Handy-Tresor - Verzicht ist ein Gewinn

Eine besondere Herausforderung für die Teilnehmenden an einem Projekt zum Thema „Fasten“


„Wer stellt sich der Herausforderung, während unseres Fasten-Projektes auch einmal für eine Zeit lang auf das Handy zu verzichten?“ Diese Frage stellt Religionslehrerin Ana Lena Hillmer der Gruppe und ist selbst überrascht, als sofort der Arm von Efekan aus der 6. Klasse emporschnellt. „Ich mache auch mit!“, kommt es von Louise aus Jahrgang 10, und nach kurzer Bedenkzeit wollen auch noch zwei weitere Schülerinnen aus der Oberstufe ihre Handys für 24 Stunden in der Schule einschließen lassen.

Die fehlende Erreichbarkeit für Eltern und Freunde sowie die Angst, im Notfall nicht auf das Handy zurückgreifen zu können, sind die Hauptgründe dafür, das Handy nicht abzugeben. Dass das Handy zu viel Raum im Leben einnimmt, darin sind sich alle – Erwachsene wie Jugendliche aus verschiedenen Jahrgangsstufen – einig. Es gibt viele konkrete Ideen, wie die „verlorene Zeit“ besser genutzt werden könnte. Manuela Glufke, die Sozialpädagogin des THG, bringt den Gedanken in die Runde, dass Verzicht auf jeden Fall ein Gewinn sein könne, ergänzt jedoch: „Ich kann das Handy aus persönlichen Gründen nicht in der Schule lassen, werde es aber, so oft es geht, in ein anderes Zimmer legen.“ Diesem „Light“-Vorhaben schließen sich einige an – in Vorfreude auf ein gutes Buch, Gespräche in der Familie oder auch einfach auf positives ‚Nichtstun‘.
Auf Initiative von Lina und Leyla aus dem 11. Jahrgang werden Schlagworte gesammelt, um den Algorithmus und somit die vorgeschlagenen TikToks sowie Insta-Reels oder -Stories zu beeinflussen: Landschaftsbilder, Nächstenliebe, gute Beispiele aus Wolfenbüttel, Essen, Bibel- oder Koranverse, Katzenvideos … Ein interessanter Austausch entsteht darüber, welche Themen zum individuellen Wohlbefinden beitragen.
Dann ist der Moment gekommen. „Auch wenn mein Handykonsum deutlich geringer ist als bei vielen anderen und ich mein Handy oft – manchmal zum Ärger anderer – nicht direkt bei mir habe, habe ich eine deutliche innere Aufregung, ja sogar Stress gespürt, als ich mein Handy ausschaltete und in den Handy-Tresor legte“, beschreibt Ana Lena Hillmer. „Ein Gefühl, das mich erschreckt – bin ich wohl doch abhängiger von dem Gerät, als ich gedacht hatte.“ Leichter fällt es offensichtlich den Jugendlichen, die sich bewusst für diese ‚Challenge‘ entschieden haben. Die Freude auf die kommenden Stunden überwiegt.
Und niemand wird enttäuscht, wie sich aus den Erfahrungsberichten lesen lässt. Die anfängliche Leere, so sagt Leyla, sei einer neuen Freiheit gewichen.
Efekan aus der 6. Klasse stößt zwischenzeitlich auf ein Problem: Seine Hausaufgabe lässt sich ohne eine benötigte Zusatzinformation nicht lösen. Kurz weiß er nicht, was er ohne sein Handy tun soll. Dann fragt er seine Eltern – und sie können ihm ebenso gut helfen.
Nach gut 24 Stunden können die Handyeigentümerinnen und -eigentümer die Aufbewahrungskiste aufschließen und ihre Handys wieder einschalten. Ein Gerät liegt jedoch noch im THG-Handy-Tresor. Ana Lena Hillmer wartet in ihrem Koordinatorinnenbüro. Schließlich kommt Efekan – er hatte ganz vergessen, sein Handy nach Schulschluss abzuholen.
Inzwischen haben sich weitere Schülerinnen und Schüler bei Ana Lena Hillmer gemeldet, die ihr Handy ebenfalls für 24 Stunden oder sogar länger einschließen lassen möchten. Die Koordinatorin plant, den Handy-Tresor auch über die Fastenzeit hinaus zu reaktivieren.
Interessierte können sich per E-Mail zur Terminabsprache bei ihr melden.


Erfahrungsbericht von Leyla (11. Klasse)
In der Schule, während der Fasten-AG, haben wir unsere Handys für eine bestimmte Zeit weggeschlossen. Am Anfang fühlte ich mich ängstlich und unruhig. Es war, als ob ein Teil meines Körpers fehlte – ein echtes Gefühl der Leere. Ich hatte ständig das Bedürfnis, mein Handy zu benutzen oder nachzusehen, ob neue Nachrichten angekommen waren.
Nach einer Weile änderte sich dieses Gefühl. Die Leere fühlte sich überraschend beruhigend an. Ich musste keine Nachrichten mehr prüfen, keine Social-Media-Benachrichtigungen lesen und nicht überlegen, ob ich mein Handy bei mir habe. Dadurch fühlte ich mich frei.
Natürlich war es ungewohnt, nicht jederzeit mit jemandem kommunizieren zu können. Wenn ich jemanden erreichen musste, nutzte ich die Hilfe von Menschen in meiner Umgebung. Gleichzeitig habe ich die Zeit verwendet, um mich stärker auf das Geschehen um mich herum zu konzentrieren und mehr Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen – etwas, das sonst oft zu kurz kommt.
Mir ist außerdem aufgefallen, wie schnell die Zeit vergeht, wenn man ständig auf das Handy schaut. Ohne Handy wirkte der Tag länger und bewusster. Ich habe gemerkt, wie wertvoll Zeit eigentlich ist.
Am Ende des Tages hat mir die Erfahrung gezeigt, dass selbst nur 24 Stunden ohne Bildschirm mir gutgetan haben. Nicht das Nichtbenutzen des Handys oder der sozialen Medien stört – vielmehr isoliert mich das Handy im Alltag oft von der echten Welt.


Erfahrungsbericht von Efekan (6. Klasse)
Von Donnerstag auf Freitag habe ich freiwillig mein Handy abgegeben – zur Fastenzeit und auch als Experiment für mich selbst, um zu erleben, wie es ohne Dauerzugang zum Internet ist. Es war gar nicht so schwer, wie ich gedacht hatte. Ohne das Handy fühlte ich mich ein Stück weit frei und weniger fremdbestimmt. Nur bei den Hausaufgaben fehlte mir die Möglichkeit, schnell bei Google etwas nachzuschlagen.