THG-Fasten-AG beim Aschermittwochsgottesdienst in St. Petrus
Vor dem Schneetreiben geschützt versammelten sich die Teilnehmenden der Fasten-AG, Jugendliche und Erwachsene, am 18. Februar um Viertel vor acht auf den Stufen des Roncalli-Hauses.
„Wer ist katholisch?“, fragte die evangelische Religionslehrerin Ana Lena Hillmer, „und kann uns erklären, was uns gleich erwartet?“ Es stellte sich heraus, dass in der Fasten-AG einige muslimische, evangelische und atheistische Teilnehmende sind, aber nur ein Mädchen mit katholischem Hintergrund. Mit Hilfe einzelner weiterer katholischer Schüler des THG, die von sich aus den Jugendgottesdienst zum Aschermittwoch in der St.-Petrus-Kirche besuchen wollten und sich dazugesellt hatten, wurden die Grundzüge des Ablaufs eines katholischen Gottesdienstes und das Verhalten von Gästen besprochen. Außerdem wurden die Rechercheergebnisse zu Wörtern wie „Karneval“, „Fastnacht“ und auch „Schoduvel“ zusammengetragen – allesamt mit religiösem Bezug, den es zu erklären galt. Eine Frage aber blieb offen, die der „Exkursion an einen außerschulischen Lernort“ vorangestellt wurde: Was hat es mit dem Aschekreuz auf der Stirn auf sich?
Die Fasten-AG findet im THG in dieser Form zum ersten Mal statt. Das Organisationsteam, das aus den Lehrkräften Enes Biçak und Ana Lena Hillmer, der Schulsozialpädagogin Manuela Glufke sowie Leyla und Lina, zwei Elftklässlerinnen, besteht, sieht großes Potenzial in dem Thema für den interkulturellen und interreligiösen Austausch sowie die eigene Persönlichkeit. 2026 fallen der Ramadan und die christliche Fastenzeit, die ein paar der Teilnehmenden aktiv praktizieren, zeitlich zusammen. Die Suche nach „Gewinn durch Verzicht“ verbindet über Religionszugehörigkeit und Altersstufen hinaus, sodass sich eine bunt gemischte Gruppe von Jugendlichen und Erwachsenen im Februar im THG und außerhalb trifft, um mehr über das Fasten, über andere und sich selbst zu erfahren.
Entstanden ist die Idee zur Fasten-AG durch das diesjährige Schwerpunktprojekt des THG für „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“: Ein interkulturelles Fastenbrechen in Kooperation mit dem katholischen Pfarrer Matthias Eggers und Mustafa User, dem Vorsitzenden der muslimischen Gemeinde in Wolfenbüttel, das am 28. Februar im Roncalli-Haus stattfinden wird.
Pfarrer Matthias Eggers, der schon seit Langem mit der Religionsfachgruppe des Theodor-Heuss-Gymnasiums kooperiert, begrüßte die Besuchsgruppe herzlich und gab während des Aschermittwochsgottesdienstes an der einen oder anderen Stelle kurze Erläuterungen zu katholischen Riten und Berührungspunkten zwischen Christentum und Islam. Ausgerichtet an der Lebens- und Erfahrungswelt der Jugendlichen, veranschaulicht durch ein großes Herz auf dem Boden des Altarraums, spannte Pfarrer Eggers den Bogen von den „Steinen“, die uns belasten, zur befreienden Wirkung, die Fasten für die Beziehung zu sich selbst, den Mitmenschen, der Umwelt und auch Gott haben kann – symbolisiert durch Wasser, das sich klärt und in die Wüste ergießt, sowie Blumen im Sand.
Dann kam Bewegung ins Kirchenschiff: Alle wollten einen Brief an sich selbst schreiben, in dem sie die Vorhaben für die Fastenzeit notierten. Während die einen noch schrieben, formierte sich eine lange Reihe vor dem Altar, an dem Pfarrer Eggers das Aschekreuz mit dem Segen auf die Stirn zeichnete.
Ob mitfeiernd oder beobachtend – es gab zahlreiche Anknüpfungspunkte zwischen dem Aschermittwochsgottesdienst und der persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Fasten. Die muslimischen Jugendlichen sahen viele Parallelen zwischen den Inhalten des Gottesdienstes und dem, was für sie im Ramadan wichtig ist. Enes Biçak kennt die parallele Koranstelle, die ebenfalls von Jesu 40-tägigem Aufenthalt in der Wüste berichtet. Die drei evangelischen Erwachsenen äußerten ihre Freude, durch den Gottesdienst einen „besonderen Moment in ihrem Alltag“ erlebt haben zu dürfen – einer Aussage, der sich alle in der Fasten-AG anschlossen.
Vom Schneetreiben verwischt, aber noch deutlich erkennbar, kehrte die Gruppe mit dem Aschekreuz auf der Stirn der christlichen AG-Teilnehmenden ins THG zurück, wo ihr Fehlen schon aufgefallen war. Und nicht nur das fiel auf: „Du hast da so einen Schmier auf der Stirn!“ Jetzt konnte die Ausgangsfrage beantwortet werden: „Das ist Sternenstaub!“
Für nähere Erklärungen zum „Sternenstaub“ kommen wir doch einfach miteinander ins Gespräch – zum Beispiel am 28. Februar ab 17 Uhr beim gemeinsamen Fastenbrechen.